Darf man noch Holz aus Brasilien verbauen?
Erstellt am Dienstag, 27. August 2019

Wir beziehen seit vielen Jahren das bekannte Ipé-Holz aus Brasilien. Es eignet sich aufgrund seiner Materialeigenschaften hervorragend für Holzdecks und wird daher weltweit im gehobenen Wohnungsbau eingesetzt. Die aktuelle Situation rund um die vielen Waldbrände und die Politik rund um den Präsidenten Brasiliens verunsichert. Was tun?

Zunächst: Brasilien ist ein grosses Land. Es ist über 200 Mal grösser als die Schweiz und knapp doppelt so gross wie die ganze EU. Zu wissen, wo es wie genau läuft, ist in einem so grossen Land aus Distanz unmöglich. Und trotzdem ist es wichtig, sich um ein vollständiges Bild zu bemühen. Wir stehen deshalb mit unseren brasilianischen Lieferanten in engem Kontakt und haben vorerst den Einkauf für die Holzdeck-Saison 2020/2021 gestoppt. Bedeutet: Ein Entscheid heute wird Auswirkungen frühestens Mitte 2020 haben.

Der aktuelle Präsident Brasiliens, Bolsonaro, hat seine Wahl der grosszügigen Unterstützung der Agrarlobby zu verdanken. Es ist in der Politik üblich, seinen Unterstützern etwas zurück zu geben. Was die Agrarlobby will, ist mehr Fläche für Landwirtschaft.

Der Regenwald war bisher zusammen mit den Ureinwohnern strikt geschützt. Übergriffe wurden durch die bewaffnete Umweltbehörde IBAMA geahndet. Durch den neuen Präsidenten wurden als erste Aktion die Gelder für die Umweltbehörde gekürzt, so dass diese Behörde ihre Schutzaufgabe nicht mehr richtig wahrnehmen kann. Ihr Chef wurde übrigens wegen der Waldbrände kürzlich entlassen.

Brände in den Wäldern Brasiliens hat es immer gegeben und wird es immer geben. Was aktuell erschreckt, ist das Ausmass. Es ist eine Folge lascher Politik gegenüber Umweltsündern. Das kann und darf man nicht akzeptieren.

Wohlgemerkt: Auch die Holzindustrie leidet darunter. Man brennt keinen Wald ab, um Holz zu ernten, sondern man brennt ihn ab, um danach landwirtschaftliche Nutzflächen zu bekommen. Und: Die Nutzwälder für unser Ipé liegen nicht im Bundesstaat Amazonas, der momentan von den Waldbränden am stärksten betroffen ist, sondern weiter südlich in Matto Grosso.

Die Situation ist verzwickt: Boykottiert man den Holzeinkauf aus Brasilien, distanziert man sich zwar, aber der Wald verliert weiter an ökonomischem Wert. In der Folge wird mehr Wald verschwinden mit allen negativen Folgen für Tierwelt, Urvölker und Klima. Kauft man weiterhin Holz, dann behält der Wald einen ökonomischen Wert und es verbleiben sehr viel mehr Arbeitsplätze und Wertschöpfung vor Ort. Wir bleiben aber auch in der Verantwortung, sicher zu stellen, dass das Holz aus Regionen stammt, in denen die Gesetze eingehalten werden.

Wir beobachten die Situation weiter aufmerksam und werden dann entscheiden, welchen Weg wir gehen wollen. Eines ist klar: Wir verkaufen nur, was wir mit Informationen aus erster Hand auch mit gutem Gewissen verantworten können.

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