Corona, Corona, Corona – was kommt danach?
Erstellt am Mittwoch, 18. März 2020

Es ist sicher eher anspruchsvoll, einen Blick in die nächsten Wochen und Monate zu wagen, aber vielleicht hilft es trotzdem, sich ein Bild darüber zu machen, was momentan läuft und was noch auf uns zukommen wird.
Aktuell ist Panik! Ursache dafür ist eine Grippe, die nicht besonders gefährlich, aber dafür heimtückisch ist. Das Problem dabei ist, dass man die Viren verbreitet, bevor man selber merkt, dass man krank ist. Weiter ärgerlich ist, dass die Grippe vorwiegend die Atemwege älterer und vorerkrankter Personen angreift. Statt die Risikogruppen speziell zu isolieren, hat man sich entschieden, ganze Länder und Kontinente de facto stillzulegen. Alle Länder machen in etwa das Gleiche. Wer aber sagt, dass das die richtigen Massnahmen sind?

Ob man den Corona-Virus eingefangen hat oder nicht kann mit Tests zuverlässig bestimmt werden. Nur: Wenn in der Bevölkerung anteilmässig wenig Tests gemacht werden, dann kann es ja sein, dass die Dunkelziffer sehr viel höher ist. Oder anders gesagt: Viele Tests ergeben viele Coronafälle und keine Tests keine Coronafälle. Aktuell werden in der Schweiz 2000 Tests täglich, hauptsächlich innerhalb der Risikogruppen durchgeführt. Dazu zwei Dinge:

  1. Wollte man mit dieser Anzahl die ganze Bevölkerung testen, würde das 4100 Tage dauern. Das sind über 10 Jahre.
  2. Es ist ja logisch, dass innerhalb dieser Gruppe vermehrt Corona auftritt. Denn: Es werden hauptsächlich Risikopatienten getestet.

Fazit: Die Fakten basieren auf dürftiger Datenlage. Momentan versucht man mit drakonischen Massnahmen die Ausbreitung zu verlangsamen. Die Argumente haben was für sich, aber der Preis ist enorm hoch.

Corona hat aufgezeigt, wie abhängig die Welt mittlerweile von China ist. Gewisse medizinische Grundstoffe werden mittlerweile exklusiv in China hergestellt. Wenn also bei uns Medikamente ausgehen, dann kann es gut sein, dass die Ursprungsstoffe aus China stammen. Diese Erkenntnis ist lehrreich. Mit der Verbreitung des Coronavirus und der Stilllegung der Wirtschaft in China hat die Krise auf die Realwirtschaft übergeschwappt. Und jetzt wird es richtig gefährlich.
Es ist völlig unbestritten, dass sich gewisse wirtschaftliche Fundamentaldaten seit der Wirtschaftkrise nie mehr richtig erholt haben. Wir im Bau haben davon durch die historisch extrem tiefen Zinsen profitiert. Die tiefen Zinsen waren als Nothilfe gedacht und haben sich zur Dauerdroge entwickelt. Ein noch nie dagewesener Bau- und Aktienboom war die Folge. Die Aktien stiegen in schwindelerregende Höhen, weil neben Liegenschaften kaum vernünftige Alternativen vorhanden waren. Nun sind die Aktienpreise massiv gefallen. Je nach Börse liegen sie aktuell zwischen 25-30% tiefer als Mitte Februar 2020. Das wird Auswirkungen auf diverse Bereiche haben, vor allem wenn Aktien mit geliehenem Geld gekauft worden sind. Auch die Immobilienpreise sind nach der Finanzkrise stark angestiegen. Für ganz viele Personen ist der Erwerb einer Immobilie nicht mehr möglich, weil zu teuer. Zwar hat die Nationalbank zwecks Vermeidung einer Baukrise wie Anfang der 90er Jahre erschwerdende Regulatorien herausgegeben. Der Boom ging trotzdem weiter, weil Immobilienfonds, Genossenschaften und Pensionskassen in die Bresche gesprungen sind.
Im Bau haben wir ab dem Jahr 2008 von den tiefen Zinsen profitiert. Diese werden mit grosser Wahrscheinlichkeit tief bleiben. Was aber ändern wird ist das Vertrauen in die Wirtschaft und die Politik. Das bringt Unsicherheit und diese ist ein schlechter Ratgeber für langfristige Investitionen. Es würde mich sehr erstaunen, wenn die Corona-Krise spurlos am Bau vorbeiziehen würde. Es ist Zeit, den Fernseher abzustellen und das Handy zur Seite zu legen, um sich zu überlegen, was auf uns zukommen kann. Meiner Meinung nach sind die Wolken ziemlich dunkel.
Was jetzt und in den nächsten Monaten von entscheidender Bedeutung ist: Geld auf dem Konto und zwar im Geschäft wie privat. Nicht Hamsterkäufe nützen, auch nicht Gold, Silber oder sonstige Edelmetalle und schon gar nicht die Hoffnung auf den Staat. Dieser mag es zwar richten, aber mit einem langfristig (zu) hohen Preis.

Es kann gut sein, dass es mit einer zeitlichen Distanz von ein paar Jahren für wirtschaftliche Betrachtungen eine Zeitrechnung vor und nach Corona geben wird. Was aber doch entscheidend ist und bleibt: Vernunft und Weitsicht sind aktuell mehr gefragt denn je. Gerade in diesen Tagen, wo Übertreibungen und einseitige Informationen Panik begünstigen: Abwarten, tief durchatmen und erst dann entscheiden.

Andreas Seiz

17.03.2020

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